Le Corbusier,
eigentl. Charles-Éouard Jeanneret (1887-1965).
Geb. in La - Chaux-de-Fonds in der frz. Schweiz, arbeitete 1908-09 in Paris bei - Perret, anschliessend kurze Zeit bei - Behrens in Berlin. Le Corbusier. war der einflussreichste und hervorragendste Architekt des 20. Jhs., dessen Einfallsreichtum bzw. formale Erfindungskraft nur mit der schöpferischen Begabung von Picasso verglichen werden kann; er war ein rastloser und unermüdlicher Mensch, der ständig um die Verbreitung seiner Ideen bemüht war. Für das
Verständnis seiner Gedanken und seines Werkes ist es wichtig zu wissen, dass Le Corbusier auch malte, und dass seine Bilder, die in etwa mit denen von Leger verglichen werden können, überwiegend abstrakt sind. In Le Corbusiers frühem Werk lassen sich 3 Strömungen, die beständig aufeinander einwirken, verfolgen Einmal die Massenproduktion von Wohnhäusern (Domino 1914-15; Citrohan Haus in Stuttgart, 1927; die niemals vollendete
Wohnsiedlung in Pessac, 1925). Dann der Städtebau: Le Corbusier veröffentlichte eine Reihe von Gesamtplänen für Städte, deren Zentren von gleich grossen und gleichgestalteten Wolkenkratzern (Hochhaus), die symmetrisch in einer Parkanlage angeordnet sind, gebildet werden. Dazwischen sind niedrigere Gebäude und ein Netz von Verkehrsstrassen gruppiert. Diese Entwürfe sind nicht so realistisch wie Tony - Garniers 1904 entworfene Cité Industrielle, aber
wesentlich eindrucksvoller (Ville Contemporaine 1922; Plan Voisin 1925; Ville Radieuse 1935, Plan für Algier, 1938). Schliesslich das Streben nach einem neuen Wohnhaustyp: ein weisser kubischer Bau, dessen Innenräume ineinander übergehen und der ganz oder teilweise auf Piloten ruht. Das früheste Werk dieses Typs ist die Villa in Vaucresson (1922); ihr folgten noch viele dieser Art, unter anderem der Pavillon de l'Esprit Nouveau auf der
Weltausstellung 1925 in Paris, bei dem ein Baum mitten durch das Gebäude wächst. Die Villen in Garches (1927) und Poissy wirkten am anregendsten. In denselben Jahren schuf Le Corbusier auch Entwürfe für Grossbauten: für den Völkerbund in Genf (1927, nicht ausgeführt) und den Centrosojus in Moskau (1928). Diese Entwürfe übten auf die Avantgarde in allen Ländern starken Einfluss aus. Von den Grossbauten, die zur Ausführung gelangten, soll auf zwei hingewiesen
werden: das Nachtasyl der Heilsarmee in Paris (beg. 1929) mit seiner langen Curtain Wall, ferner das Schweizer Haus der Cite Universitaire, Paris (1930-32), mit einer Wand, bei der roher, kaum bearbeiteter Bruchstein mit weissem Beton und Verputz wirkungsvoll kontrastiert. 1936 wurde Le Corbusier als Berater beim Neubau des Erziehungsministeriums nach Rio de Janeiro gerufen . Dieses Bauwerk wurde dann von Costa und
Niemeyer, Reidy u.a. ausgeführt. Man kann jedoch ihren Beitrag nicht klar von dem Le Corbusier abgrenzen. 1947 gehörte Le Corbusier der Architektengruppe an, die den Entwurf für die UNO in New York entwickeln sollte. Das Sekretariatsgebäude, ein gläsernes Hochhaus, an dessen Schmalseiten fensterlos durchgehende Wände hochgezogen sind, entstand im wesentlichen nach Le Corbusiers Entwurf. Zur selben Zeit begann Le Corbusier jedoch, diesen rationalen, flächigen Glas- und
Metallstil, dessen Verbreitung er bis dahin gefördert hatte, aufzugeben; jetzt wandte er sich einem neuen antirationalen, stark - Plastischen Stil zu, der rasch Verbreitung fand. Das erste Beispiel ist die Unite d'Habitation in Marseille (1947-52) mit ihren wuchtigen Betongliedern und der phantastischen Dachgestaltung. Die Proportionen sind nach einem von Le Corbusier entwickelten und von ihm vertretenen komplizierten System, Modulor genannt, erarbeitet . In Nantes baute er von 1953-55 eine weitere Unite und eine dritte in Berlin für die Interbau - Ausstellung (1956-58). Le Corbusiers revolutionärstes Werk in diesem Stil ist die Wallfahrtskirche von Ronchamp, unweit von Belfort (1950-54). Mit ihrem silo -ähnlichen weissen Turm, dem braunen, pilzhutartigen Dach und ihren Wänden, die von kleinen, willkürlich geformten Fenstern durchstossen werden, ist sie
ungewöhnlich expressiv. Sein neuer Stil zeigt sich auch in den Jaoul - Häusern in Neuilly (1954-56), deren flache Betongewölbe bald international nachgeahmt wurden. Dem Philips-Pavillon auf der Brüsseler Weltausstellung 1958 gab er ein hyperbolischparaboloides Dach, eine Form, der Nowitzki und der Ingenieur William H. Deitrick (geb. 1895) mit dem Stadion in Raleigh, North Carolina (1950/53), den
Weg geebnet hatten. Chandigarh in Indien wurde nach den Plänen von Le Corbusier angelegt. Die Gerichtshöfe und das Sekretariatsgebäude (1951/56), die er hier errichtete, sollten vor allem die Baukunst in Japan stark beeinflussen. 1954-56 erbaute er einige Häuser in Ahmedabad, die ähnlich den Bauten in Chandigarh schwere Betonglieder aufweisen. 1957 entwarf Le Corbusier das Museum für Moderne Kunst in Tokio und das Dominikanerkloster La Tourette in
Eveux bei Lyon (1957-60), einen gewaltigen, strengen Block. Sein letztes bedeutendes Bauwerk war das Carpenter Art Center in Harvard, USA (1963). |