Walter Gropius (1883-1969).
Studierte an den Technischen Hochschulen von Berlin und München. Er wurde im Architekturbüro von Behrens, der es für die Pflicht eines Architekten hielt, auch Fabriken und Gebrauchsgüter zu gestalten, in die Probleme der Baukunst des 20. Jhs. eingeführt. Gropius arbeitete von 1907-10 bei Behrens. Als er sich 1910 selbständig machte, legte er einem einflussreichen, vermögenden Kunden seine Erfahrungen dieser
Zeit in einem Memorandum über die Massenproduktion von Häusern und Einrichtungen vor. Ein Jahr später baute er zusammen mit Adolf Meyer (1881-1929) die Faguswerke in Alfeld, einer der frühesten Bauten überhaupt, bei denen die architekt. Elemente, die den Internationalen Stil bestimmen sollten, bereits voll beherrscht wurden: Gläserne Curtain Walls, klare kubische Blöcke, keine sichtbaren Träger an den Ecken. Für die Ausstellung des Dt. Werkbundes in Köln 1914 errichtete Gropius zusammen mit Meyer eine Musterfabrik samt Bürogebäude, genauso radikal in der Betonung neuer Prinzipien. Neben Behrens wurde nun Wright eine Quelle der Inspiration für Gropius, denn zwei Publikationen waren über diesen 1910 und 1911 in Berlin erschienen. Auf Grund des für die Werkbundausstellung errichteten Gebäudes riet van
de Velde, damals Direktor der Kunstgewerbeschule in Weimar, dem Großherzog, Gropius zu seinem Nachfolger zu machen. Gropius nahm an und ließ sich nach dem Ersten Weltkrieg in Weimar nieder mit der Absicht, diese Schule von Grund auf zu reorganisieren. Er prägte für sie den Begriff Bauhaus. Der Name spielt auf Gropius Überzeugungen an, daß, wie in den Bauhütten der ma. Dome, das Bauwerk der Treffpunkt aller künstlerischen und handwerklichen Lehre sein müsse. Er glaubte auch
, daß alle Künstler mit den Handwerken vertraut sein sollten und die Grundausbildung von Künstlern und Handwerkern die gleiche sein sollte: eine Einführung in Form, Farbe und Beschaffenheit des Materials. Dieser Teil des Lehrprogramms, der zuerst von Johannes Itten ausgearbeitet wurde, bildete den Vorkurs. Gropius wurde in den ersten Jahren des Bauhauses teils von den Ideen William Morris
angeregt, teils ist auch eine Beeinflussung durch den Enthusiasmus der Expressionisten festzustellen. Es gibt tatsächlich Werke von ihm aus dieser Zeit, deren Stil durchaus expressionistisch ist, vor allem das Betondenkmal für den Märzaufstand (1921) mit seinen ausgezackten Formen und das grosse Blockhaus für den Holzfabrikanten Adolf Sommerfeld (1921-22), das von Lehrern und Studenten des Bauhauses eingerichtet wurde. Aber 1923, angeregt durch Kontakte mit der holländ.
Künstlergruppe De Stijl, kehrte Gropius dann zu den Idealen seiner Frühzeit zurück. Das Bauhaus verlegte die Betonung vom Handwerklichen auf die industrielle Formgebung, und Gropius eigener Stil folgte noch einmal der gleichen Linie wie bei den Faguswerken. Das Hauptwerk dieses Wandels ist der Neubau des Bauhauses in Dessau (1925-26), funktionell geplant und funktionell in den Details. Andere bedeutende Entwürfe dieser Blütezeit in Deutschland sind die für ein Totaltheater und
die langen Blöcke rationaler Wohnsiedlungen für die Siemensstadt in Berlin (1929) . Der zunehmende Druck des Nationalsozialismus führte 1933 zur Zerschlagung des Bauhauses, aber Gropius war bereits 1928 zurückgetreten. Nach der Machtergreifung Hitlers verließ Gropius Deutschland, und nach dem kurzen Zwischenspiel einer Partnerschaft mit Fry in London (1934-37), deren einflussreichstes Ergebnis das
Impington Village College bei Cambridge war, ging er nach Harvard, Mass. Das Impington College ist das erste eines neuen Typus von zwanglos gruppierten Schulgebäuden, der nach dem Zweiten Weltkrieg die internationale Aufmerksamkeit auf England lenkte. An der Harvard-Universität widmete sich Gropius hauptsächlich wieder der Lehre. Im Einklang mit seinem Glauben an die Teamarbeit eröffnete er
seine eigene Firma, The Architects' Collaborative, eine Gruppe jüngerer Architekten, die mit ihm in voller Freiheit zusammenarbeiteten. Von den Leistungen dieser Gemeinschaft seien das Harvard Graduate Center (1949) und ein Wohnblock für das HansaViertel in Berlin (Interbau-Ausstellung, 1957) erwähnt. Gropius bedeutendstes Werk der Spätzeit ist wohl die US- Botschaft in Athen (1957-61). Zu seinen letzten Entwürfen gehört die Porzellanfabrik Rosenthal am Rotbühl in Selb (1964).
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